Beim ersten Kontakt am Telefon taucht von interessierten Eltern immer wieder die Frage auf: "Was bedeutet >Integrationskindergarten<? Heißt das, dass ihr euch besonders um die Integration von Ausländern bemüht? Oder was sonst?"
Die Antwort darauf ist zunächst einfach: Unsere Aufgabe ist die Integration von Kindern, die nach den Bestimmungen des Sozialgesetzbuches (SGB XII) einen Anspruch auf "Eingliederungshilfe für Behinderte" haben. Das ist unser historischer Hintergrund, und auch die Finanzierung von besonderen Leistungen wird durch Zahlungen gesichert, die der Eingliederung von behinderten (oder von Behinderung bedrohter) Kinder in die Gesellschaft dienen.
Das Selbstverständnis, mit der wir dieses Anliegen der "Eingliederung von Behinderten" verfolgen, erklärt allerdings, worin wir uns z.B. von einer "heilpädagogischen Tagesstätte (HPT)" unterscheiden, die ja auf der gleichen finanziellen Grundlage ebenfalls das Ziel der Eingliederung, aber auf eine ganz exklusive Weise, verfolgt.
Zunächst stellen wir, Eltern und Mitarbeiter mit einem Blick auf die soziale Wirklichkeit erschrocken fest, dass bestimmte Kinder aus dem Kindergarten ausgeschlossen sind. Sie werden auf besondere Einrichtungen verwiesen, die ihren besonderen Bedürfnissen angeblich besser gerecht werden können.
Hier lohnt sich ein Blick auf unser Logo:


Drei kleine Teilchen (Kreis, Dreieck, Quadrat) sind aus dem Haus herausgesprengt und fehlen dort.
Wir möchten, dass der "integre" Zustand wieder hergestellt wird, wobei wir "integer" mit "unversehrt, ganz" übersetzen. Für unsere Kindergartengruppen bedeutet das, dass wir glauben, dass es ein Mangel ist, wenn uns die "behinderten" Kinder fehlen und dass es somit selbstverständlich ist, dass sie bei uns aufgenommen und willkommen sind.
Dieses Ziel der vorbehaltlosen Annahme von Kindern mit besonderem Assistenzbedarf wird in der aktuellen Diskussion gerne mit dem Begriff "Inklusion" verbunden. Dieser Terminus mit seiner Bedeutung "mit einschließen, Miteinbezogen-Sein" fasst vielleicht noch deutlicher unseren Gedanken, dass alle Kinder -und später dann Jugendliche, Erwachsene- gleichberechtigt am gemeinsamen Alltag in ihrem sozialen Netzwerk teilnehmen können.
Wir halten zum jetzigen Zeitpunkt an dem Begriff "Integration" fest, weil er noch daran erinnert, dass zusammengefügt werden soll, was zusammengehört und weil wir davon ausgehen, dass der Ausschluss von Behinderten nicht naturgegeben ist - etwa durch die Besonderheiten einer Behinderung -, sondern dass die zu beobachtende Isolierung von behinderten Menschen Ergebnis eines gesellschaftlichen Prozesses ist, der immer noch stattfindet und den wir unterbrechen und auf lange Sicht aufheben wollen.
Wie geht das, aus dem gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen werden? Und wo sind die Plätze, an denen die Ausgeschlossenen leben?
Die Distanz fängt in den Köpfen an. Nicht selten sehen Kinder/Eltern/Praktikanten bei uns zum ersten Mal ein behindertes Kind und noch dazu in einem ganz gewöhnlichen Umfeld. Betroffene Eltern, die sonst nie etwas mit Behinderung zu tun hatten, sind ähnlich unerfahren und hilflos, weil auch sie in der Öffentlichkeit Behinderte bisher nur in Situationen erlebt haben, die ihnen völlig unvertraut und damit peinlich waren. Sie fühlen sich mit ihrem Kind in der Öffentlichkeit unwohl, genieren sich oder schämen sich sogar.
Das Lebensumfeld dieser Kinder beschränkt sich dann schnell auf den engsten Familienkreis, auf Therapien und Warteräume für Therapien, wo man andere behinderte Kinder - "Leidensgenossen" - trifft. Rutschen diese Kinder in einen Regelkindergarten, kann es ihnen schnell passieren, dass sie auf drastische Weise wirklich ausgeschlossen und auf eine HPT verwiesen werden. Der Weg in Sondereinrichtungen bis zum Lebensende kann hier seinen Anfang nehmen.
Die behinderten Menschen sind schon da, aber man sieht sie selten!
Unsere Vorstellung von Integration ist eine Kritik an Zuständen, die Menschen aus irgendwelchen Gründen aus dem gesellschaftlichen Leben ausschließen, und wir glauben auch, dass dadurch wertvolle Ressourcen verloren gehen.
Damit ist auch klar, dass sich unsere integrativen Bemühungen nicht ausschließlich an Behinderten mit Anspruch auf Eingliederungshilfe orientieren können, sondern ein größeres Spektrum erfassen: Menschen aus anderen Kulturkreisen, Ausländer, sozial Bedürftige usw. stehen bei uns nicht vor verschlossenen Türen.

Auswirkungen auf unsere praktische Arbeit im Kindergarten werden unter anderem in den Abschnitten Integration/Heilpädagogische Betreuung und Zusammengehörigkeit / Identifikation mit der Gruppe behandelt.