An dieser Stelle möchten wir unser Konzept des Integrationskindergartens Spielkiste Blumenau e.V. vorstellen, dass in mühevoller Arbeit des pädagogischen Teams der Spielkiste entstanden ist. 
Sehr wichtig war uns die inhaltliche Diskussion der Entwürfe innerhalb des Teams, weil wir dieses Konzept so verstehen, dass damit die Kernpunkte unserer Arbeit erfasst sind und alle MitarbeiterInnen – und letztlich auch die Eltern – sich damit identifizieren können. 
Grundlage unseres Konzepts bilden der Leitsatz und die Ziele. Im Folgenden wollen wir Ihnen vorstellen, welche pädagogischen und praktischen Methoden wir einsetzen, um diese Ziele umzusetzen.

Wir haben bewusst auf einige ausführliche Erläuterungen zu einzelnen Punkten innerhalb der Vorstellung der pädagogischen und der praktischen Methoden verzichtet. Bei Interesse kann man sich eine vollständige Version unseres Konzept hier Konzept 2021 Spielkiste Blumenau e. V. herunterladen.
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Ziele

Ziele der Spielkiste Blumenau> Unsere oberste Priorität ist es, dass jedes Kind sich bei uns wohlfühlt.
Jeder wird in seiner Gesamtpersönlichkeit gesehen:
Wir
– respektieren,
– akzeptieren,
– begleiten und
– stärken jedes Kind in seiner Einzigartigkeit.
> Wir bieten die Möglichkeit, dass jedes Kind seine individuellen Fähigkeiten entfalten kann.
> Die Kinder haben die Chance soziale Kompetenzen in der Gruppe zu erfahren und weiterzuentwickeln.
> Während der Zeit im Kindergarten unterstützen wir das Kind dabei, sich mit seinen Stärken und Schwächen zu erleben, auseinander zu setzen und damit umzugehen.
> Wir bieten einen sicheren Ort für die Kinder und achten auf Grenzüberschreitungen im körperlichen, seelischen und sexuellen Bereich (§8aSGB VIII).
> Wir unterstützen die Eltern in ihrer Erziehungsaufgabe und achten auf einen regelmäßigen Austausch.
> Wir vernetzen uns mit Kooperationspartnern.
> Die Qualität unserer pädagogischen Arbeit gewährleisten wir durch einen intensiven Austausch des Teams, durch Fortbildungen und Supervision.
> Unsere Ziele sind konform mit den Bildungs- und Erziehungsauftrag nach BayKiBiG und BEP.

Soziale Kompetenzen

Soziale Kompetenzen SpielkisteDie Vermittlung von sozialen Lebenskompetenzen ist für unsere Einrichtung ein fortwährender Prozess, der auf dem Grundgedanken der Integration aufbaut.
Die Kinder erleben, dass Verschiedenheit zum Kindergartenalltag gehört.
Die gemeinsame Erziehung von unterschiedlichen Kindern bringt zu Tage, dass jeder bestimmte Stärken, Ressourcen, Schwierigkeiten und Schwächen hat.
Sie brauchen die Erfahrung, vorbehaltlos angenommen zu werden, dann können sie auch andere in ihrer Eigenart anerkennen.

Kinder brauchen persönliche Entscheidungsspielräume, denn wenn sie selbst Individualität und Selbständigkeit erfahren, könne sie diese auch anderen zugestehen.
Sie brauchen Freiräume, Entscheidungs- und Orientierungsmöglichkeiten.
Kinder brauchen verständliche und nachvollziehbare Grenzen. Jedes Kind soll erfahren warum es bestimmte Regeln gibt und an deren Ausgestaltung mitwirken können.
Jedes Kind soll so viel Hilfestellung erhalten wie es benötigt („hilf mir es selbst zu tun“, Maria Montessori), ansonsten aber zu selbständigem Handeln ermutigt werden.
Sie brauchen die Wertschätzung und die Erfahrung, dass sie selbst und ihre Leistung anerkannt werden, um daraus ein Selbstwertgefühl zu schöpfen, was wiederum die Voraussetzung für Wertschätzung Anderer ist.
Wir vermitteln die Erfahrung, dass das Leben in einer Gemeinschaft bereichernd sein kann, es aber auch verlangt Kompromisse einzugehen. Die Kooperationsfähigkeit wird hierbei in besonderem Maße unterstützt und gefördert.
Soziale Lebenskompetenz heißt auch Erziehung zur Konfliktfähigkeit und Kompromissbereitschaft – lernen, sich Problemen zu stellen, auszudiskutieren und Kritik annehmen zu können.
Das Kind erlebt die Wichtigkeit der Kommunikation, die Fähigkeit Bedürfnisse auszudrücken und wahrzunehmen und dadurch Beziehungen aufzubauen und auch sich Hilfe von anderen zu holen.
So kann sich die Empathiefähigkeit des Kindes entwickeln.
Unseren Kindergartenalltag gestalten wir in Hinblick auf dieses Ziel der Vermittlung von sozialer Lebenskompetenz:

  • wir geben den Kindern die Chance, verschiedene Modelle der Problemlösung selbst zu suchen,
  • wir lassen ihnen die nötige Zeit und den Raum zum Experimentieren und fordern sie heraus, sich auf Neues einzulassen.
    Sie lernen im überschaubaren Rahmen Verantwortung zu übernehmen,
  • wir fördern die Kontaktfreudigkeit zu anderen Kindern und unterstützen sie darin, eigenen Interessen nachzugehen und ihre Stärken zu entdecken,
  • Erfahrungen nehmen wir den Kindern nicht vorweg, sondern bestärken sie, mit Mut und Neugierde auf neue Dinge zuzugehen.

Die „Gruppe“ als emotional und praktisch erlebter Zusammenhang ist für unser Verständnis von Integration unverzichtbar. Das Leben in der Gruppe und mit der Gruppe hat für unsere Einrichtung eine ganz herausragende Bedeutung, wie wir im Folgenden darlegen werden.
Eltern und Kinder verbinden mit der Aufnahme in die Spielkiste Blumenau eine wichtige Erwartung: einen Platz in einer Gemeinschaft.

Dabei verknüpfen sie zu Recht mit der Vorstellung von dieser „Gemeinschaft“ als „Kindergartengruppe“ vielfältige Erwartungen.

Das Kind wird in seiner Gruppe aufgenommen. Das bedeutet,

  • dass es seinen Platz hat,
  • dass seine Bedürfnisse von allen respektiert werden,
  • dass es mit seinen Möglichkeiten eine Bereicherung für alle darstellt,
  • dass andrerseits seine Besonderheiten und Grenzen von den anderen berücksichtigt werden.

Das Kind erlebt seinen Alltag in der Gruppe.

  • Es kann sich mit anderen vergleichen,
  • lernt gegenseitige Rücksicht und erwirbt Durchsetzungsvermögen,
  • reagiert auf Erwartungen,
  • erlebt seine Position im Verhältnis zu anderen,
  • lernt seine Handlungen in ihrer Wirkung auf andere zu beurteilen,
  • lebt nach Regeln.

Das Kind teilt besondere Ereignisse mit der Gruppe.
Das Kind feiert seinen Geburtstag in seiner Gruppe, feiert Feste in der Gruppe, erlebt in der Gruppe den Bauernhofaufenthalt, nimmt an Gruppenausflügen teil, lässt andere an besonders interessanten Erlebnissen teilhaben, indem es z.B. im Gesprächskreis davon berichtet.

Das Kind wird in schwierigen Situationen von der Gruppe begleitet.

Jedes Kind erlebt, dass es mit seinen Problemen nicht allein gelassen wird. Es erlebt Teilnahme bei
längerer Abwesenheit (erhält z.B. einen Brief von seiner Gruppe), Verlust (z.B. Scheidung, Tod), Veränderungen in der Familie (z.B. Umzug, Erwartung und Ankunft eines Geschwisters).

Das Kind wächst in der Gruppe.

Es wird als „Neuling“ von seiner Gruppe aufgenommen und erfährt vielfältige Hilfen zur Orientierung in seiner neuen Umgebung. Hilfen zur Orientierung in seiner neuen Umgebung. Es erlebt, wie andere neue Kinder nachrücken und ältere Kinder die Gruppe verlassen, erfährt, dass mit der Zeit höhere Ansprüche an es gestellt werden.
Es wird nach einer längeren Pause (Urlaub, Krankheit) wieder in seine Gruppe aufgenommen und nimmt als Vorschulkind schließlich ein Jahr lang eine besondere Rolle ein.

Das Kind wird aus der Gruppe entlassen.

Jedes Kind, ob es nun in die Schule kommt oder uns aus einem anderen Grund verlässt, wird durch ein ausgiebiges Zeremoniell von der Gruppe verabschiedet und auf seine neue Rolle eingestimmt.
So erwirbt ein/e jeder/jede die Fähigkeit zur Identifizierung mit der Gemeinschaft, indem er seinen festen Platz in der Gruppe findet.

Gleichzeitig wird klar, dass eine Kindergartengruppe, die das alles leisten soll, in ihrer Größe eine Begrenzung nach oben finden muss. Die Zahl von 15 Kindern hat sich in unserem Integrationskindergarten als bestens geeignet zur Realisierung dieses Identifizierungsprozesses bewährt.
Hat das Kind einmal die Sicherheit in seiner kleinen Gruppe gefunden, öffnen sich ihm aus dieser Vertrauen heraus auch Perspektiven für eine größere Gemeinschaft: Das Kind erfährt, dass es zur „Spielkiste Blumenau“ gehört.
Um dieses Gefühl für den größeren Zusammenhang zu pflegen, haben wir verschiedene feste Institutionen geschaffen, so z.B. die offenen Gruppen, den Singkreis, die gemeinsamen Feste. Besonders bei den gemeinsamen Festen entsteht auch das Gefühl für die Gemeinschaft zwischen Kindern, Eltern und Erziehern.

Die Gestaltung dieser kleinen „Übergänge“ und die Sorgfalt, mit der wir unsere Kinder dabei begleiten, wird im BEP unter dem Thema Transitionen behandelt: „Jedes Kind bewältigt Übergänge in seinem Tempo. Es bekommt die Zeit für seine Eingewöhnung, die es braucht. Das Übergangserleben ist ab der Aufnahme ein prozesshaftes Geschehen, das Orientierung in den ersten Tagen, Eingliederungsbemühungen in den ersten Wochen und Eingewöhnung in den ersten Monaten umfasst. Je nach Temperament, verfügbaren Ressourcen und bisherigen Erfahrungen erlebt das Kind die erste Zeit als mehr oderweniger stressreich und belastend; starke Gefühle sind immer dabei. In der Folgezeit erprobt es neue Verhaltensweisen, um sich in die neue Situation einzufinden, sich und sein Leben neu zu organisieren. Es versucht, sein inneres Gleichgewicht wieder zu finden, seine Alltagsroutinen wieder herzustellen. Übergänge sind als gelungen anzusehen, wenn länger anhaltende Probleme ausbleiben, Kinder ihr Wohlbefinden zum Ausdruck bringen, sozialen Anschluss gefunden haben und die Bildungsanregungen der neuen Umgebung aktiv für sich nutzen.“ (BEP 6.1 S.98)

Das Erziehungsziel „Identifizierung mit der Gruppe“ gehört unserer Meinung nach genauso zur Entwicklung eines Menschen wie die Entfaltung der ganz individuellen, persönlichen Fähigkeiten und Merkmale. Aus dieser Ressource ziehen die Kinder Energien für die Entwicklung ihrer Resilienz: „Die sozialen Ressourcen entscheiden maßgeblich, inwieweit es Kindern gelingt, sich zu resilienten Persönlichkeiten zu entwickeln, so insbesondere:
Sichere Bindungen und positive Beziehungen zu seinen erwachsenen Bezugspersonen
Positive Rollenmodelle
Offenes, wertschätzendes Klima sowie demokratischer Umgangs- und Erziehungsstil (emotional positiv, feinfühlig, unterstützend, strukturierend, verantwortlich)
Positive Peer-Kontakte und Freundschaftsbeziehungen
Positive Lernerfahrungen in Kindertageseinrichtungen
Konstruktive Zusammenarbeit zwischen Elternhaus, Kindertageseinrichtung und Schule.“
(BEP 5.10 S. 82)
Die angestrebte Teamfähigkeit wird vehement nachgefragt von Schule, Arbeitswelt und Gesellschaft. Auch an diesem Beispiel wird deutlich, dass wir unsere Arbeit nicht losgelöst von der Welt außerhalb unseres Kindergartenzaunes sehen, sondern immer im Hinblick auf die ganze Gesellschaft handeln.

Vieles von dem, was die Kinder im Kindergarten lernen, tragen sie nicht vorzeigbar mit nach Hause. Trotzdem haben sie hier Qualitäten erfahren, die stark machen fürs Leben:

Selbstwertgefühl – Vertrauen – Geborgenheit –
Verantwortung – Gemeinsamkeit – Kreativität –
Entwicklung und Verwirklichung von Ideen –
Konzentration und Ausdauer –
Wertschätzung und Respekt

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