An dieser Stelle möchten wir unser Konzept des Integrationskindergartens Spielkiste Blumenau e.V. vorstellen, dass in mühevoller Arbeit des pädagogischen Teams der Spielkiste entstanden ist. 
Sehr wichtig war uns die inhaltliche Diskussion der Entwürfe innerhalb des Teams, weil wir dieses Konzept so verstehen, dass damit die Kernpunkte unserer Arbeit erfasst sind und alle MitarbeiterInnen - und letztlich auch die Eltern - sich damit identifizieren können. 
Grundlage unseres Konzepts bilden der Leitsatz und die Leitziele. Im Folgenden wollen wir Ihnen vorstellen, welche pädagogischen und praktischen Methoden wir einsetzen, um diese Ziele umzusetzen.

Wir haben bewusst auf einige ausführliche Erläuterungen zu einzelnen Punkten innerhalb der Vorstellung der pädagogischen und der praktischen Methoden verzichtet. Bei Interesse kann man sich eine vollständige Version unseres Konzept (Stand August 2013) direkt hier herunterladen. 

 

 

 

Pädagogische Methoden zur Umsetzung unserer Ziele

 

.

 

Auf die Methoden partnerschaftliches Miteinander, Schutz der Kinder/ Kinderrechte/ Beschwerdemanagement, Beobachtung/DokumentationIntegration/Heilpädagogische Arbeit, Altersmischung, Elternarbeit, Regeln, Ressourcen-orientiertes Handeln und Hilfe zur Selbsthilfe soll exemplarisch genauer eingegangen werden.

 

 

Partnerschaftliches Miteinander

 

 

 

Für ein partnerschaftliches Miteinander ist es uns wichtig, dass ein Vertrauensverhältnis zwischen Kind und Erwachsenen aufgebaut wird. Dieses können wir nur erreichen, wenn wir uns mit gegenseitigem Respekt begegnen. 
Bei Gesprächen mit dem Kind nehmen wir es ernst und hören ihm zu. Auch gemachte Zusagen oder Versprechen halten wir ein, wie wir es auch von den Kindern einfordern. Das Kind spürt, dass seine Wünsche, Ideen und Probleme jeder Zeit ernst genommen werden. Auf Grund des intensiven Zuhörens wissen wir, welche Themen die Kinder gerade beschäftigen. Wenn wir merken, dass ein Thema ein Kind besonders interessant findet, dann greifen wir es auf und besprechen es mit diesem. Sind mehrere Kinder an einem Thema interessiert, dann beziehen wir dies in unseren Rahmenplan ein.
Im Alltag setzen wir Vertrauen in die Fähigkeiten der Kinder. Wir unterstützen sie in ihrem eigenen Handlungsspielraum und lassen ihnen dabei auch Freiraum, Neues auszuprobieren und zu erforschen. Wir beobachten das Kind und bieten ihm Hilfe an, wenn das Kind sie in dieser Lage unbedingt braucht.
Wir Erzieherinnen beziehen die Kinder mit ihren Ideen, Wünschen und Anregungen in die Alltagsgestaltung mit ein. Wir, Erzieherinnen und Kinder, lernen miteinander und voneinander. Aber nicht nur als Lernpartner sind wir von den Kindern gern gesehen, sondern vor Allem als Spielpartner. Wir finden uns mit den Kindern auf einer Spielebene zusammen, in der Rollenspiele, Lern- und Gruppenspiele genauso wie Quatsch- und Gaudispiele gemeinsam erlebt werden.
In den einzelnen Gruppen sowie im gesamten Haus wird das partnerschaftliche Miteinander auch zwischen den Kindern gefördert und erwartet, z.B. sich gegenseitig helfen, die Schwächen und Stärken des Anderen akzeptieren, füreinander da sein, miteinander spielen und Konflikte miteinander austragen. All dies ist genauso wichtig wie die Kommunikation und das Gespräch miteinander.

 

 

Schutz der Kinder/ Kinderrechte/ Beschwerdemanagement

 

 

 

Wir als Einrichtung, verstehen uns zum Schutz der Kinder. Dieser Schutz ist zum einen in der UN- Kinderrechtskonvention verankert. Diese setzen sich dafür ein, dass Kinder zu allen Dingen, die sie betreffen, sagen können, was sie denken, was sie fühlen und was sie möchten. Diese Kinderrechte, welche auch in unserer Einrichtung präsent sind, beziehen sich im Artikel 19 und 43 auf das Kindeswohl. Hierzu gibt es deutschlandweit gesetzliche Vorgaben. Unser Anspruch ist es dass die Kinder ihre Rechte kennen. Sie sollen auch wissen an wen sie sich wenden können, wenn eines dieser Rechte verletzt wurde oder sie das Gefühl haben, dass jemand ihre persönliche Grenze überschritten hat, egal in welchem Lebensraum. Dazu gibt es ein Beschwerdesystem innerhalb unseres Hauses:
3 Erzieherinnen unsers Teams an die sich Eltern, unabhängig von der Gruppenzugehörigkeit, vertrauensvoll wenden können.
Die Kinder sollen wissen wer bei und im Haus arbeitet und ein Bewusstsein entwickeln wer in welcher Nähe zu ihnen steht.
Auch die Eltern sollen wissen wer bei uns arbeitet und können zur Vertiefung die Personalsonne im Eingangsbereich studieren.
Unsere gesamte pädagogische Arbeit dient dem Schutz des Kindes und ist somit auch Präventionsarbeit vor Kindeswohlgefährdung.
Zusätzlich sind wir nach §8a SGB VIII und dem Bundes- Kinder-Schutzgesetz gesetzlich dazu verpflichtet einen Kinderschutzauftrag zu gewähren.
Näheres dazu ist in unserem Konzept unter 4.5. ausführlicher beschrieben.

 

 

Beobachtung/Dokumentation

 

 

 

Wir verstehen Beobachtung als ein Mittel, das Kind zu entdecken, nicht um es zu kontrollieren. Gezielte Beobachtung ist eine wesentliche Grundlage für unsere pädagogische Arbeit. Sie stellt die Basis für die Planung unseres Erziehungsauftrags und Erziehungsalltags dar.
Durch die differenzierte Beobachtung wollen wir die Umstände und Hintergründe für Verhaltensweisen näher beleuchten, um das Kind besser verstehen zu lernen. Dieses bessere Verständnis ermöglicht es uns wiederum, das Kind bei einer positiven Verhaltensveränderung zu unterstützen.
Gezielte Beobachtung ist deshalb auch Grundlage für:

  • Fallbesprechungen, Förderpläne, Beobachtungsbögen

  • Vorbereitung und Durchführung von Elterngesprächen

  • Unterstützung für die Zusammenarbeit mit ArbeitskollegInnen, TherapeutInnen und anderen Institutionen

  • die Kommunikation zwischen Kindern und ErzieherInnen 

Integration/Heilpädagogische Arbeit

 

 

 

Obwohl der Name "Integrationskindergarten" nahe legt, dass Integration ein eigenständiges Erziehungsziel unseres Kindergartens ist, behandeln wir hier Integration als Methode, um unsere oben vorgestellten Erziehungsziele für alle Kinder erreichbar zu machen. Dieses "Ziel" steht also nicht außerhalb unseres Kindergartens, als etwas, worauf man hinarbeiten müsste, das erst später, in der Schule oder im Berufsleben eingelöst werden müsste, sondern wir verstehen Integration als unseren unmittelbaren Auftrag, der sich wie ein roter Faden durch unsere ganze Arbeit zieht. Der Weg ist hier das Ziel: die Kinder mit und ohne Behinderung erleben gemeinsam ihren Kindergartenalltag.
Das praktische Ergebnis dieser Idee ist die Organisation in Integrationsgruppen.
Integration bedeutet hier "Mittendrinsein", das räumliche Zusammenleben von Kinder mit und ohne Behinderung. Alle Vorteile der Identifizierung mit der Gruppe und des Lebens in der Gruppe kommen den behinderten Kindern genauso zugute wie den nichtbehinderten. (Der geplante Abschied von der Gruppenpädagogik durch das neue marktorientierte Finanzierungsmodell trifft uns deshalb ins Mark und lässt sich auch durch Jonglieren mit "Basiswert" und "Gewichtungsfaktoren für Behinderte" nicht gutmachen)
Integrationsgruppen sind zunächst Kindergartengruppen wie jede andere, es müssen aber bestimmte Punkte besonders beachtet werden, die auch finanziell nicht unerheblich zu Buche schlagen:

  • Die Gruppengröße beträgt 15.

  • Der Schlüssel von Kinder ohne Behinderung zu Kindern mit Behinderung ist keineswegs beliebig strapazierbar. Bei uns - und nicht nur bei uns - hat sich hierfür ein Verhältnis von 4/12 hervorragend bewährt, d.h. in einer Integrationsgruppe mit 15 Kindern werden derzeit vier Kinder mit Behinderungen aufgenommen

  • Räume und materielle Ausstattung müssen den besonderen Bedürfnissen behinderter Kinder gerecht werden können (rollstuhlgerechte Zugänge, Therapiezimmer, besonderes Material) Diese Aufgabe ist nie endgültig gelöst, für jedes neue Kind können neue Pläne, neue Anschaffungen und neue Organisationsformen sinnvoll sein.

  • Vom Personal wird unter den bisherigen Bedingungen eine besondere Motivation verlangt. Das pädagogische Personal muss in besonderem Ausmaß die Bereitschaft zeigen, sich ständig intern und extern fachlich weiterzubilden, sich mit "neuen", weil bisher in der Gruppe noch nicht vertretenen Formen der Behinderung auseinander zu setzen, die Arbeit in besonderem Maße zu reflektieren und sich dem interdisziplinären Austausch zu stellen.

  • Ähnlich wie vom pädagogischen Personal ist auch von allen Eltern eine bewusste Entscheidung für die integrative Erziehung gefordert, der Entschluss, seinem Kind und sich selbst die große Vielfalt der menschlichen Entwicklungsmöglichkeiten nicht vorenthalten zu wollen zugunsten einer "normalen" Entwicklung. Eltern von Kindern mit Behinderungen fällen mit der Anmeldung im Integrationskindergarten die Entscheidung für eine Entwicklung der Möglichkeiten ihres Kindes in der "normalen" Welt, sie verzichten auf manche Vorteile eines besonderen schützenden Rahmens für ihr Kind, sie entscheiden sich dafür, ihrem Kind ein Lebensgefühl zu geben, das ihm die Fähigkeit vermittelt, gegebenenfalls auch mit seiner Behinderung selbstbewusst die volle Teilnahme am gesellschaftlichen Leben zu beanspruchen. 

Eine gut strukturierten Integrationsgruppe eröffnet vielfältige pädagogische Möglichkeiten:

  • Imitationslernen
    Wer sich gegenseitig als gleichrangig ansieht und respektiert, wird einen Antrieb entwickeln, den anderen in seinem Verhalten zu imitieren und daraus zu lernen.

  • Gegenseitige Hilfestellung
    Es hat sich gezeigt, dass die Hilfe, die Kinder sich gegenseitig leisten, wesentlich effektiver sein kann als die Intervention der Erwachsenen, vermutlich, weil der Erfahrungsabstand zwischen den Kindern viel kleiner ist als der zwischen Kind und Erwachsenem.

  • Ansporn
    Jedes Kind lässt sich durch die gemeinsame Aktivität in der Gruppe mitreißen, die Möglichkeiten der Gruppendynamik werden genutzt.

  • Vergleichs- und Orientierungsmöglichkeiten
    Durch die Beobachtung der anderen Kinder und die Interaktion mit ihnen erfahren die Kinder ein Modell für die eigenen Möglichkeiten.

  • Das Erlebnis der Gleichbehandlung mit anderen Kindern
    Speziell die Kinder mit Behinderungen können sich in der Integrationsgruppe nicht auf den "Behindertenbonus" stützen und entwickeln so umso mehr eigene Aktivitäten.

Diese positiven Wirkungen der Integrationsgruppe entfalten sich allerdings nicht ganz von allein, vielmehr wird das pädagogische Personal durch sanftes Steuern, Forcieren oder Dämpfen im geeigneten Moment unterstützend eingreifen. Die Arbeit mit Kinder mit Behinderungen hat ihre traditionellen Wurzeln in der Heilpädagogik und findet bei uns ihren Niederschlag in heilpädagogischen Angeboten, die allen Kindern zugute kommen. Ein Schwerpunkt in der heilpädagogischen Betreuung ist neben dem Spiel das Ergründen und gezielte, systematische Nutzen von Förder- und Übungsmöglichkeiten im Kindergartenalltag. Konkret bedeutet dies die Auslotung der Möglichkeiten z.B. beim Förderziel Visomotorik: Getränke Einschenken, den Essenswagen aus der Küche in den Gruppenraum fahren ..., anstelle von "gekünstelten", aus dem Zusammenhang heraus gelösten Übungen. Einen hohen Stellenwert hat bei uns die Psychomotorik, die in Kleingruppen wöchentlich von unserer Heilpädagogin durchgeführt wird. Die Heilpädagogin ist in verstärktem Maß für alle Kinder mit Behinderungen zuständig; sie erstellt zusammen mit dem Diplompsychologen und den jeweiligen Erzieherinnen im Kleinteam die Förderpläne.

Manche Kinder sind in ihren Möglichkeiten zunächst mit der Gruppe überfordert, sie sind auf Einzelbetreuung angewiesen. In wohlüberlegten Fällen hat sich für eine Übergangszeit die ausdrückliche Form der Therapie außerhalb der Gruppe bewährt. Für die Logopädin, die auf einen ruhigen Raum angewiesen ist, ist diese Form des Herausnehmens aus der Gruppe eher die Regel. In anderen Fällen findet die Einzelbetreuung durch den Fachdienst (Diplompsychologe, Heilpädagogin) nur in einem zeitlich begrenzten Rahmen außerhalb der Gruppe im Therapiezimmer als Einzeltherapie statt. Hierfür muss immer eine besondere Indikation vorliegen. Bei schweren sozialen Störungen, bei Defiziten in der Aufmerksamkeits- und Konzentrationsleistung kann ein Initialtraining außerhalb der Gruppe angezeigt sein. 
In der Regel wird aber auch die Einzelbetreuung durch den Fachdienst innerhalb der Gruppe bevorzugt. In manchen Fällen mag diese Variante schwieriger zu gestalten sein, erspart aber dem betroffenen Kind die Erfahrung, aufgrund seiner Behinderung aus der Gruppe ausgeschlossen zu sein. Die Vorteile, die sich aus Kriterien wie ruhiger Raum, reizarme Umgebung, Ausschluss von störenden Reizen, bessere Kontrolle der Situation usw. ergeben und zu einer Entscheidung für das regelmäßige Herausnehmen aus der Gruppe führen, wiegen nach unserer Erfahrung bei weitem die Nachteile nicht auf, die sich aus dem damit scheinbar berechtigten Schluss der anderen Kinder ergeben, das behinderte Kind sei eben auf eine andere Umgebung angewiesen, man könne es bestenfalls tolerieren, dulden, aushalten! Das Selbstbewusstsein der behinderten Kinder entwickelt sich nach unserer Erfahrung durch regelmäßige Einzeltherapien außerhalb der Gruppe übrigens noch schneller in eine eher traurige Richtung: Sie verbringen ihre Zeit mit Warten auf die Therapiestunden, verlieren die Motivation zur Auseinandersetzung mit anderen Kindern, beanspruchen für sich vehement die besondere Zuwendung im Therapieraum. Aus den Situationen, in denen Einzelbetreuung in den Gruppenalltag integriert wird, entstehen dagegen sehr häufig neue Möglichkeiten der Interaktion zwischen Kindern, werden soziale Kontakte gefördert, allein schon deswegen, weil die anderen Kinder neugierig beobachten können, auf welchem Spielniveau ein behindertes Kind sich befindet, welche neuen Fähigkeiten es sich angeeignet hat, was man "mit ihm anfangen könnte".

Die integrative Arbeit erfordert auch, dass für die Arbeit mit den behinderten Kindern besondere Formen der Verlaufskontrolle und Dokumentation eingehalten werden. Wir sind uns der besonderen Verantwortung für die behinderten Kinder bewusst, sie bekommen ein besonderes, differenzierteres Aufnahmeverfahren und werden auf ihrem Weg durch unseren Kindergarten aufmerksam hinsichtlich ihrer Entwicklungsfortschritte beobachtet. In unseren Teambesprechungen gönnen wir uns mehr Zeit für die Reflexion der Arbeit mit diesen Kindern, die Elternarbeit nimmt einen breiteren Rahmen ein. Neben den Aufnahmeberichten, Zwischenberichten und Abschlussberichten, die wir an das Jugendamt schicken müssen, erarbeiten wir

  • halbjährliche Förderpläne,

  • ausführliche Beobachtungsbögen (Seldak/Perik/Sismik),

  • fortlaufende Protokolle der therapeutischen Interventionen,

  • Protokolle der Fallbesprechungen,

  • Protokolle der Elterngespräche,

  • gegebenenfalls Videodokumentationen.

Wir halten Kontakt zu externen Therapeuten und bemühen uns sehr intensiv um angemessene Schulplätze für unsere heilpädagogisch betreuten Kinder.
Zum Schluss dieser Darstellung über Integration als Methode und der Vorstellung unserer heilpädagogischen Arbeit sind wir bei einem Leistungskatalog für behinderte Kinder gelandet. 
Es ergibt sich aber aus den Inhalten, dass hier überhaupt nichts Ausschließliches für behinderte Kinder dargestellt wurde, sondern eine Art der Pädagogik dargestellt wurde, die jedem Kind zugute kommen kann.
Alle Kinder ziehen Gewinn aus der Integrationsgruppe, dem Erleben, der Erfahrung und dem Gefühl, dass die unterschiedlichsten Persönlichkeiten gemeinsam leben können, sich gegenseitig vorwärts bringen können und Formen des täglichen Miteinanders finden können. Diese Erfahrung macht sie toleranter, in ihrer Erlebnisfähigkeit insgesamt offener und aufnahmefähiger und führt zu einer realistischen Selbsteinschätzung.
Von diesem Verständnis der gelebten Integration her ist klar, dass hier nicht nur die Vermittlung der scheinbaren Gegensätze von behindert und nichtbehindert betroffen ist, sondern auch, dass Integration für uns eine Auseinandersetzung mit allen unterschiedlichen Lebensformen in der Gesellschaft bedeutet, insbesondere auch die Integration der verschiedenen Nationalitäten und Kulturen.

 

 

Altersmischung

 

 

 

In der Spielkiste gibt es drei altersgemischte Gruppen von drei Jahren bis zum Schuleintritt, worauf wir schon bei den Neuanmeldungen achten.
Für uns überwiegen die Vorteile dieser Altersmischung:

  • Jede/r erlebt sich selbst innerhalb seiner Gruppe in der Rolle des Kleinen und des Großen

  • Die Kleinen orientieren sich an den Großen, die Großen lernen, sich um kleinere Kinder zu kümmern und zu sorgen (wichtig ist dabei allerdings, die Großen nicht als "Hilfserzieher" einzusetzen und darauf zu achten, dass die Kleinen die Großen nicht in ihren Aktivitäten behindern) 

  • Die Tradition der Regeln wird durch die älteren an die jüngeren Kinder weitergegeben

  • Die Arbeit mit verschiedenen Altersgruppen ist vielfältiger und eine differenziertere Herausforderung für die ErzieherInnen

  • Auch die Altersmischung ist eine Form der Integration. 

Rahmenbedingungen für Qualität der Altersmischung:

  • Altersangemessene und differenzierte Angebote und Aktivitäten für alle Altersgruppen

  • In jeder Gruppe gibt es ein breites Spektrum an entwicklungsspezifischen Spielmaterialien zur Auswahl 

  • Rückzugsräume für alle - für Gleichaltrige oder altersgemischte Kleingruppen

  • Die Erwartungshaltung des Erziehers muss in Punkto "allgemeine Regeln" altersgemäß angepasst sein

  • Wir überlassen ein ausgewogenes Mischungsverhältnis in den Gruppen nicht dem Zufall. In den regelmäßigen Teamsitzungen besprechen wir ausführlich die Gruppenstrukturen

Wenn jedoch eine ausgewogene Mischung in Bezug Alter und Geschlecht nicht zustande kommt, dann weist sich die Qualität der Arbeit gerade dadurch aus, dass auch mit schwierigen Konstellationen nach den o.g. Prinzipien gearbeitet wird.

 

 

Elternarbeit

 

 

 

Beim jährlichen "Tag der offenen Tür" bekommen wir den ersten Kontakt zu den Eltern und die Eltern zu uns. Dieses gegenseitige Kennen lernen ist wichtig, weil unsere pädagogische Arbeit im Kindergarten nur sinnvoll ist , wenn Eltern und Erzieherinnen sich über die grundsätzlichen Ziele und Vorgehensweisen der Erziehung einig sind. Auch am Einschreibetag suchen wir das Gespräch mit den Eltern, um sicherzustellen, dass es zwischen den pädagogischen Vorstellungen der Eltern und den Erziehungszielen und -methoden der Spielkiste, wie sie auch in diesem Konzept vorgestellt werden, eine grundlegende Übereinstimmung gibt. Natürlich spielt dabei die Bereitschaft zur integrativen Erziehung eine wichtige Rolle.
Zum Kindergartenanfang ermutigen wir die Eltern beim ersten Elternabend zu einem regelmäßigen Austausch mit dem pädagogischen Personal. Wir versprechen uns davon, dass sich zwischen den Erzieherinnen und den Eltern ein partnerschaftliches Vertrauensverhältnis entwickelt. So können die Eltern mit Fragen und Anliegen jederzeit zu den Erzieherinnen kommen, wenn sie ihr Kind bringen oder abholen. Das ist bei den meisten Eltern auch die Zeit, wo sie die Elterninformationen an der Pinnwand (Rahmenplan, Ausflugsziele, Termine, Veranstaltungen, Putzliste etc.) lesen oder sich eventuelle Elternbriefe aus den Inforollen holen. In diesen selbst gebastelten "Briefkästen" stecken besonders wichtige oder dringende Nachrichten, wie Adressen- oder Terminlisten, Einladungen usw. Wir bitten unsere Eltern, täglich einen Blick auf die Pinnwand oder die Inforollen zu werfen.
Intensiver Austausch zwischen Eltern und Erzieherinnen findet in den Elternabenden und in den Elterngesprächen statt.
Elternabende dienen dem Informationsaustausch (Gruppensituation, Eingewöhnungsphase, Vorschau am Anfang des Kindergartenjahres), dienen zur Meinungsbildung über bestimmte Projekte (z.B. spielzeugfreie Zeit) oder ziehen eine Jahresbilanz zum Ende des Kindergartenjahres. Vor jedem Elternabend denkt das Team als Gastgeber darüber nach, wie sich das Programm ansprechend gestalten lässt, damit es zu einer aufgelockerten, entspannten Atmosphäre kommt. So können die Eltern leichter eine eventuelle Hemmschwelle überwinden und sich besser einbringen. Die meisten Elternabende sind gruppenintern, weil sie inhaltlich sehr eng mit der Situation in den einzelnen Gruppen verbunden sind. Immer wieder bietet der Kindergarten auch gruppenübergreifende Elternabende zu Themen an, die Eltern und Team aus dem ganzen Kindergarten gleichermaßen betreffen, wie "Psychomotorik", "Vorschulerziehung", "Spielzeugfreien Zeit", Fragen der allgemeinen gesellschaftlichen Entwicklung im pädagogischen Bereich wie "Markt- und Qualitätsorientierte Steuerung" usw.
Sehr stark auf die individuelle Entwicklung eines Kindes gehen die Elterngespräche ein. Die Erzieherinnen bereiten sich in der Kleinteambesprechung darauf vor, indem sie sich die Entwicklung des Kindes noch einmal vor Augen führen. Beobachtungsprotokolle und Notizen aus dem "Logbuch" der Gruppe sind dabei nützliche Hilfsmittel. In den Elterngesprächen werden die vergangene bzw. momentane Gruppen- und Familiensituation, soziale Entwicklung, Schulreife und eventuelle Therapie- oder Erziehungsvorschläge besprochen. Die Elterngespräche sind nicht als "Problembehandlung" gedacht, sondern dienen in erster Linie dem Austausch zwischen Eltern und Erzieherinnen über die Entwicklung des Kindes zu Hause und in der Gruppe. Natürlich nehmen die Eltern in schwierigen Situationen gerne auch die fachliche Kompetenz der Erzieherinnen zur Beratung in Anspruch. 
Ein derartiger Austausch braucht Zeit und sollte in einer entspannten Atmosphäre stattfinden. Es sind immer beide Elternteile zum Gespräch eingeladen (sofern vorhanden), und auch das pädagogische Team ist in der Regel durch zwei Personen vertreten. Bei heilpädagogisch betreuten Kindern ist selbstverständlich der Diplompsychologe bzw. die Heilpädagogin am Gespräch beteiligt.
Die Anzahl der Elternabende und auch die Häufigkeit der Elterngespräche ist nicht von vorneherein festgelegt. Diese beiden Formen der Elternarbeit finden je nach Gruppensituation und Bedarf von Seiten der Eltern statt. Wünsche der Eltern werden nie ignoriert.
Eine besondere Form der Elternarbeit bei uns ist die Möglichkeit zur Hospitation in der Gruppe. Dabei bieten wir den Eltern Gelegenheit, einen Vormittag (unter größter persönlicher Zurückhaltung) ihr Kind in der Gruppe zu erleben. 
Diese Formen des ständigen partnerschaftlichen Austausches zwischen Eltern und pädagogischem Personal sind notwendig, weil sich beide Seiten auf ein gemeinsames Erziehungsziel und auf einen ergänzenden Erziehungsstil verpflichten wollen. Dieses "Ziehen-an-einem-Strang" kann nämlich nur gelingen, wenn alle Beteiligten bereit sind, aufeinander zuzugehen, zusammen zu arbeiten und einander zu vertrauen.
Ein weiteres Instrument des Austausches sind unsere regelmäßigen Elternbefragungen in Form von Fragebögen.
Dieses pädagogische Selbstverständnis findet in der Spielkiste Blumenau noch eine Vertiefung in der Organisationsstruktur als Initiativkindergarten. Durch diese rechtliche Form des eingetragenen Vereins, bei dem in der Regel alle Eltern Mitglieder sind genauso wie die Mitarbeiter, eröffnen sich noch viel mehr und intensivere Möglichkeiten für die Eltern, sich mit dem Kindergarten zu identifizieren, sich zu engagieren und Mitspracherechte wahrzunehmen.

 

 

Regeln

 

 

 

Regeln sind ein wesentlicher Bestandteil unserer Pädagogik. Wir wollen jetzt beschreiben, wie wir die Regeln handhaben.
Zu Beginn des Kindergartenjahres nehmen wir uns viel Zeit, um den neuen Kindern in unseren Gruppen die vorhandenen Regeln zu vermitteln. Dabei beziehen wir die älteren Kinder mit ein, und diese sind stolz darauf, ihr Wissen darüber den Jüngeren weiterzugeben.
Mit einem Gang durchs ganze Haus lernen wir die Räume, die Personen und Gegenstände kennen, von denen bei der Besprechung der Regeln in der Gruppe die Rede war. Mit verschiedenen Eingewöhnungsspielen werden die Regeln für die Kinder praktisch greifbar.
Nachdem den Kindern der Sinn unserer Regeln bewusst gemacht wurde, geht es im Kindergartenalltag um deren Umsetzung. Dies versuchen wir den Kindern zu erleichtern, in dem wir ein gutes Vorbild sind und eine einheitliche Position innerhalb des Gruppen - bzw. ganzen Spielkistenteams beziehen. 
In der Spielkiste Blumenau gibt es Regeln, die für das ganze Haus gelten, aber auch gruppeninterne Absprachen. Es kommt dann vor, dass diese kleinen Unterschiede am Tag der offenen Gruppen auftauchen, oder wenn alle "Spielkistler" zusammen sind (z.B. im Garten). Den Kindern wird dabei bewusst, dass es verschiedene Möglichkeiten zu einem geregelten Zusammenleben gibt.
Bei Nichteinhaltung einer Regel erinnern wir das Kind an unsere Abmachung und fragen nach dem Grund dafür. Dabei wird der Inhalt dieser Regel von beiden Seiten nochmals überdacht, damit es zu einer beidseitig zufriedenstellenden Lösung kommt.
Bei diesen Schritten überlegen wir, ob gerade dieses einzelne Kind diese bestimmte Regel überhaupt einhalten kann. Wenn nicht, müssen wir sie im Teamgespräch neu überdenken bzw. auch ändern. Ist die Regeländerung für alle Erwachsenen vertretbar, wird sie mit den Kindern besprochen. Unser Integrationsgedanke beinhaltet auch, dass manche Kinder eine Ausnahme brauchen und diese von jedem akzeptiert wird.
Gründe für Regeländerungen können auch durch das Umfeld mit neuen Situationen bei Kindern und Erwachsenen entstehen, z.B. veränderte Gruppen- oder Familiensituation, momentaner Gefühlszustand, Unfall, Personalmangel, Spielsituation usw. Aus den Alltagssituationen ergibt sich immer wieder die Notwendigkeit mit den Kindern gemeinsam neue Regeln zu entwickeln oder "alte" zu ändern.
Unsere Kinder erziehen sich gegenseitig, die Regeln einzuhalten, weil sie sie selbst mit-gestaltet haben.
Wenn die Regeln eindeutig und aktualisiert sind, kommt es trotzdem vor, dass ein Kind diese nicht einhält. Dabei besprechen wir mit ihm bestimmte Sanktionen. Ist dies nicht möglich, weisen wir Erwachsene klare Grenzen auf. Diese setzen wir konsequent durch.
Vor allem am Ende eines Kindergartenjahres werden wir eine so eingespielte Gemeinschaft, dass unsere Regeln den meisten selbstverständlich sind. Rituale und wiederkehrende Rhythmen sind bei diesem Prozess sehr hilfreich. Unsere Erfahrungen haben gezeigt, dass ein geregeltes Zusammenleben in der Kindergartengruppe einen Gewinn an Lebensqualität bringt.

 

 

Ressourcen-orientiertes Handeln

 

 

 

Wo andere Kindergärten an die Grenzen ihrer Rahmenbedingungen kommen, haben wir die Möglichkeit auf das Kind mit seinem besonderen Förderbedarf sehr individuell einzugehen. Oftmals mit dem Erfolg einer erstaunlichen Entwicklung des Kindes.
Diese erstaunliche Entwicklung verdankt sich nicht zuletzt dem Umstand, dass wir in unserem pädagogischen Alltag uns nicht an den Defiziten der Kinder orientieren - das kann er/sie (noch) nicht, diese Qualität fehlt ihm -, sondern dass wir in unserem Handeln den Ausgangspunkt immer daran nehmen, welche Stärken ein Kind zu einem gegebenen Zeitpunkt mitbringt. Von dieser Basis her versuchen wir, ihm bei der Entfaltung seiner Möglichkeiten unter die Arme zu greifen.
Kinder, die von uns auf diese Weise von ihren Stärken her betrachtet und behandelt werden, gewinnen ihr - durch ungünstige Konstellationen vorher beschädigtes - Selbstvertrauen wieder zurück, erleben wieder Erfolge und entwickeln sich unbeeinträchtigt von einem deprimierenden Selbstbild in ihren Lebensmöglichkeiten und -äußerungen weiter. 

 

 

Hilfe zur Selbsthilfe

 

 

 

Die methodischen Überlegungen über "Hilfe zur Selbsthilfe" sind verbunden mit unserem Ziel, dass die Kinder ein hohes Maß an Selbständigkeit erreichen. So betrachten wir die von uns begleitete Erweiterung der Selbständigkeit bei alltäglichen Handlungen wie An- und Ausziehen, Umgang mit Besteck, Toilettengang oder das Gehen über die Treppe auch als Hilfe zur Selbsthilfe, z.B. zeigen wir den Kindern einen "Trick", wie man eine Jacke alleine anziehen kann. Oder wir gewähren dem in der Bewegung eingeschränkten Kind genügend Zeit, um die Treppe in eine andere Etage, wenn möglich, ohne direkte Stütze zurückzulegen.
Ich verhelfe mir selbst dazu:

  • dass ich mich nach einem Sturz wieder aufrichte,

  • dass ich in neuen Situationen reagieren und agieren will und kann,

  • meine Beziehung zur Umwelt im Einklang mit meinen Bedürfnissen zu gestalten,

  • meine Vorstellungen und Wünsche durch den Einsatz meiner Fähigkeiten und Fertigkeiten zu realisieren

  • zu erkennen, wann ich mir Hilfe von anderen hole.

1. In der Spielkiste Blumenau geben wir daher Hilfe zur Selbsthilfe in der Form, dass wir die Entwicklung innerer Grundlagen zur Selbsthilfe ermöglichen und unterstützen. Wir schaffen eine Atmosphäre, die den Mut des Kindes, Neues auszuprobieren, anregt und stärkt. Mit Kommentaren und Bewertungen gehen wir bewusst sparsam um.

  • In den Psychomotorikeinheiten werden zusätzlich Raum und Zeit geboten, ohne Leistungsdruck auszuprobieren: was traue ich mir zu, und diese Grenzen spielerisch zu erweitern.

  • Wir lassen individuelle Lösungen zu und bewerten ein Ergebnis nicht nach unseren Vorstellungen.

2. Wir schaffen Raum und Zeit, dass die Kinder eigene Fähigkeiten und Stärken entdecken und ausleben können.

  • Dem Freispiel messen wir große Bedeutung zu -selbst aktiv sein- wir bieten daher in dieser Zeit kein Programm an.

  • Wir Erzieherinnen verstehen uns nicht a1s Animateure.

  • In den Gruppen gibt es eine breit gefächerte Auswahl an Spiel- und Beschäftigungsmaterial, z.B. für das Spiel im rhythmisch-musikalischen Bereich, malerisches Gestalten, für Bewegungsspiele, Rollenspiele u.v.m.

3. Außerdem geben wir den Kindern Orientierungshilfen, damit sie innerhalb eines Übungsraumes Halt und einen Orientierungsrahmen im Umgang mit anderen Menschen erwerben können.

  • Durch unser Vorbild und durch Regeln wie z.B. "Sag deinen Ärger dem, der dich geärgert hat!" geben wir eine Stütze bei der Konfliktbewältigung

  • Die Kinder erleben bei/mit uns, dass es fürs Zusammenleben Absprachen und Vereinbarungen gibt. Kinder lernen auch, dass es manchmal notwendig und sinnvoll ist, diese nicht als absolut zu betrachten, sondern der Situation entsprechend abzuwandeln.

  • Wir beachten Konfliktsituationen zwischen Kindern, drängen unsere Lösungen nicht auf, sondern gewähren Zeit, dass die Kinder selbst Interessensunterschiede aufheben können. Wir Erwachsenen moderieren erst dann eine Art Konferenz, in der alle Beteiligten ihren Standpunkt sagen, wenn wir feststellen, dass die Kinder allein es nicht mehr schaffen.

4. Wir ermöglichen die Konfrontation mit den eigenen Gefühlen und Befindlichkeiten und die Frage "Was muss ich tun, damit es mir besser geht?"

  • z.B. in der spielzeugfreien Zeit, in der jedes Kind besonders stark auf sich selbst und seine eigenen Fähigkeiten zurückverwiesen wird, indem ich eventuell mit Langeweile konfrontiert werde, die nur ich aushalten oder beenden kann.

  • Bei Konflikten, die die Kinder nicht alleine lösen können, helfen wir durch gezielte Fragen herauszufinden, welche Gefühle bei den Kindern vorherrschen.

  • Ebenso wichtig erscheint uns, dass die Kinder lernen, ihre Gefühle zu verbalisieren

  • In unseren Gruppen schaffen wir einen Übungsraum, in dem die Kinder lernen können, "Nein" so zu sagen, dass die Botschaft glaubwürdig ankommt.

5. Schließlich wollen wir auf die Begeisterungsfähigkeit der Kinder eingehen, ist sie doch die "Quelle", aus der sich der kindliche Drang zum Entdecken von Zusammenhängen entwickelt.

  • Wir beantworten die Fragen der Kinder altersgemäß, sachlich und ausreichend,

  • machen wöchentliche Ausflüge, unter anderem, um die Welt um uns herum in den unterschiedlichsten Erscheinungsformen zu erkunden.

  • Ebenso stellen wir verschiedene Materialien bereit, um Erfahrungen weiter zu vertiefen. Wenn Kinder z.B. bei Ausflügen Tiere sehen und mehr darüber erfahren möchten, können sie selbständig nachschlagen.

Ein Stück des lebenslangen Prozesses zur Selbsthilfe haben wir die Kinder begleitet. Durch unseren Anstoß wächst die Selbständigkeit der Kinder auch von selbst weiter -Hilfe zur Selbsthilfe.
Oft wird diese Art der persönlichen Entwicklung auch von Außen registriert, und die Kinder aus der Spielkiste werden als sehr selbstbewusst erlebt.
 

 

Praktische Umsetzung unserer Ziele

 

.

 

Um einen kleinen Einblick in die praktische Umsetzung unserer pädagogischen Ziele zu bekommen, wollen wir die Bereiche Freispiel, Spielzeugfreie Zeit, Psychomotorik, Singkreis, Offene Gruppen, Bauernhofaufenthalt und Vorschule genauer erläutern.

 

 

Freispiel

 

 

 

Die Kinder leben im Freispiel ihre Phantasie aus, schließen Freundschaften, lösen Konflikte und lernen sich in die Gruppe zu integrieren. Die Erzieherinnen geben den Kindern nur dann Hilfestellungen, wenn die Kinder alleine nicht mehr weiterkommen.
Warum ist das Freispiel so wichtig? Es fördert:

  • das Sozialverhalten. Die Kinder haben die Möglichkeit ungestört miteinander zu spielen. Dabei knüpfen sie Freundschaften, finden sich zu Spiel- und Interessengruppen zusammen und lernen Wünsche und Bedürfnisse zu artikulieren und zu respektieren.

  • die Entwicklung der Phantasie. Die Freispielzeit bietet den Kindern Raum ihre phantasievollen Ideen auszuleben und Probleme selbständig zu meistern.

  • die Selbständigkeit. Das Kind entscheidet frei, ob es z.B. spielen, zuschauen oder sich ausruhen möchte, mit wem, was, wie lange und wo es spielen möchte.

Wichtig für das Gelingen des Freispiels ist demnach

  • der Raum, damit sich Spielideen verwirklichen lassen

  • das ausgewählte Material (Art, Menge, Altersentsprechung)

  • erreichbare Schrankfächer (Selbständigkeit)

  • die Raumaufteilung (Spielecken und Rückzugsmöglichkeiten)

  • die Zeit (fester Bestandteil des Tagesablaufs)

  • das Personal (das Spiel nicht zu dominieren, sondern zu beobachten)

Spielzeugfreie Zeit

 

 

 

Erstmalig 1995 griffen wir aus aktuellen pädagogischen Diskussionen diese Anregung auf und prüften, ob dieses Projekt in unserem Kindergarten für unsere Kinder sinnvoll umzusetzen wäre.
Nach intensiver Auseinandersetzung erklärten sich alle Mitarbeiter bereit, das Projekt "Spielzeugfreie Zeit" für drei Monate in den jeweiligen Gruppen durchzuführen. Jedes Kindergartenjahr entscheiden wir seither wieder neu, ob die jeweiligen Gruppenkonstellationen und Gruppenphasen eine spielzeugfreie Zeit ermöglichen. Die Erfahrungen lehrten uns, dass der sinnvollste Zeitraum für dieses Projekt von April bis einschließlich Juni ist. 
Im Verlauf des Projektes finden zwei Elternabende statt, um den Eltern unsere pädagogischen Überlegungen zu diesem Thema zu vermitteln und um einen gemeinsamen Erfahrungsaustausch am Ende des Projektes zu haben. Auch ein Großelternvormittag findet statt, an welchem die Großeltern den Kindern von ihren Spielmöglichkeiten aus ihrer Kindheit berichten. 
Nach einem Gesprächskreis mit den Kindern werden die Spielsachen gemeinsam mit den Kindern gewaschen, verpackt und aus dem Gruppenraum geräumt. Lediglich Decken, Kissen, Verkleidungssachen und das Mobiliar bleiben im Raum. Auch im Garten und im Turnraum werden sämtliche Spielsachen weggeräumt. So wird bewusst eine neue Spielsituation geschaffen.
In der spielzeugfreien Zeit stehen nicht der Besitz und die Beherrschung des Spielzeugs im Vordergrund, sondern die Auseinandersetzung und die Beziehung zu den SpielpartnerInnen und zur Gruppe. Nun kommt es hauptsächlich darauf an, den eigenen Einfallsreichtum für neue Spiel zu aktivieren, die Fähigkeit zu entwickeln, andere Kinder zu begeistern und sich in die Spielideen anderer einzubringen. Somit wird die Integration der behinderten Kinder durch diese spielzeugfreie Zeit zusätzlich verstärkt. 
Den Abschluss des Projektes bildet das gemeinsame Einräumen des Spielmaterials. Die spielzeugfreie Zeit konfrontiert uns jährlich mit der Frage nach dem pädagogischen Sinn und den Zielen des Projektes, dadurch werden immer wieder unsere Wertvorstellungen hinterfragt und eine Form geschaffen unser Sinnbild neu zu definieren. 

 

 

Psychomotorik 

 

 

 

1. Begriffserklärung und Inhalte der Psychomotorik


Psychomotorik ist ein bewegungs- und spielorientierter Ansatz in einer Kleingruppe, den wir in der Spielkiste als ganzheitliche und individuelle Entwicklungsförderung sehen. Wir verstehen darunter den engen Zusammenhang zwischen Bewegen, Wahrnehmen, Denken, Erleben und Handeln und deren Bedeutung für die Entwicklung des Kindes.

Aufgabe ist es in den PMStunden kindgerechte Situationen zu schaffen, wo das Kind sich mit sich selbst/ der dinglichen und sozialen Umwelt auseinandersetzt und eigenaktiv zu handeln lernt.

Zu den Inhalten der psychomotorischen Einheiten gehören:

  • (Körpererfahrung) : sich und seinen Körper bewusst zu erleben und mit ihm umzugehen,

  • (Materialerfahrung) : die gegenständliche Umwelt über die verschiedenen Sinne differenzierter zu erfahren und sich in ihr zu orientieren,

  • (Sozialerfahrung) : die soziale Umwelt in ihrer Vielfältigkeit kennen zu lernen, um in ihr differenzierter handeln und kommunizieren zu können.

Aus den gemachten Erfahrungen entwickeln sich Kompetenzen :

  • Ich Kompetenz (was trau ich mir zu/ sich selbst und seinen Körper wahrnehmen und kennenlernen)

  • Sachkompetenz (Aussage über Material- kann ich etwas tragen/ Umweltgegebenheiten wahrnehmen, kennenlernen und verstehen)

  • Sozialkompetenz (Umgang mit Anderen, Empathie, eigene Bedürfnisse erkennen und ggf. zurückstellen)

  • Handlungskompetenz (Selbsteinschätzung, Konflikte lösen, Aufbau von Selbstvertrauen)



2. Prinzipien der Psychomotorik

  • Ganzheitlichkeit

  • Selbsttätigkeit

  • Freiwilligkeit

  • Individualität

  • Eigenverantwortlichkeit

  • Flexibilität und Offenheit

  • Verzicht auf Leistungsdruck

  • Spiel




3. Psychomotorische Förderung - für welche Kinder?


Ganz allgemein kann die psychomotorische Förderung jedem Kind helfen durch Spaß und Freude an der Bewegung sich in seiner Persönlichkeit zu entfalten und zu entwickeln. Besonders geeignet ist diese Förderung für Kinder, welche in ihrer Entwicklung verzögert oder beeinträchtigt sind. Hier werden Kinder angesprochen,

  • mit individuellem Förderbedarf im Bereich der Motorik, Sprache und Wahrnehmung

  • mit verschiedenen Entwicklungsverzögerungen

  • mit verschiedenen Verhaltensauffälligkeiten

  • die in ihrer Bewegung ängstlich und gehemmt sind oder unruhig und ständig in Bewegung, sowie unkonzentriert zu sein scheinen

  • die auffällig sind, da sie sich häufig anstoßen, stolpern oder hinfallen




4. Aufbau einer Psychomotorikstunde


Als Halt und Orientierung für die Kinder ist der Stundenaufbau immer gleich und ist in folgende Phasen gegliedert:

1. Begrüßung (bewusst gestaltete Begrüßungsrunde mit einem festen Ritual, z.B. Lied)

2. Extensive Phase (Kräfte loswerden durch extensive Nutzung des Raums, z.B. durch verschiedene Lauf- und Fangspiele zu verschiedenen Themen/ Bewusstmachen der Auswirkungen der Anstrengungen am eigenen Körper)

3. Intensive Phase (Einführung in das Thema / Zeit, um sich mit dem Thema oder Material zu beschäftigen)

4. Kindgerechte Entspannung (Körper in Ruhestellung erfahren/ Sensibilisierung des eigenen Körperempfindens)

5. Verabschiedung (Ausklang mit Rückmeldung der Kinder / bewusst gestaltete Abschlussrunde mit einem festen Ritual)





5. Rahmenbedingungen der Psychomotorik

Die Psychomotorik findet 1x wöchentlich pro Gruppe an einem festen Wochentag und zu einer festen Uhrzeit statt.

Die Zusammensetzung der Gruppe erfolgt in Absprache zwischen der Heilpädagogin mit den pädagogischen Fachkräften aus der jeweiligen Gruppe des Kindes. Die Gruppen bestehen in der Regel aus 5 bis 7 Kinder. Psychomotorik bieten wir für alle Kinder im Haus an, so dass jedes Kind, das keinen Integrationsplatz hat, während seiner Kindergartenzeit mindestens 1x für ein halbes Jahr an der Psychomotorik teilnimmt. Die Dauer einer Psychomotorikeinheit von 60 Minuten, über einen Zeitraum von einem halben Jahr, hat sich als sinnvoll erwiesen. Der individuelle Entwicklungsverlauf der Kinder wird dokumentiert und in den Kleinteams besprochen.



6. Abschlussgedanke
Neben all den bereits erwähnten Inhalten liegt uns vor allem am Herzen, dass die Kinder sich in den Psychomotorik-Einheiten wohl fühlen und mit Freude teilnehmen. Denn nur dann können sie über die Bewegung ein positives Selbstkonzept aufbauen.




 

 

Singkreis

 

 

 

Mittlerweile ist unser halbstündiger Singkreis ein fester Bestandteil unserer Einrichtung. Es ermöglicht uns jede Woche aufs Neue, alle Kinder und Erwachsenen der Spielkiste mit einem Morgenlied zu begrüßen und kennen zu lernen. 
Der Singkreis ist ebenfalls Rahmen und Höhepunkt für jedes Geburtstagskind, inklusive der Teammitglieder. Dort wird es in der Mitte, platziert auf einer besonderen Geburtstagsdecke, von allen Anwesenden mit Geburtstagsliedern besungen und unter dreimaligen Hochleberufen mittels Decke in die Luft geworfen (und wieder aufgefangen). Einmal im Mittelpunkt zu sein, macht dieses Festritual im Singkreis für jedes Kind besonders schön und stärkt das Selbstbewusstsein.

 

 

Offene Gruppen

 

 

 

Einmal in der Woche erleben die Spielkistenkinder offene Gruppen. Dies bedeutet freie Wahl:

  1. der Spielpartner. Es ist die Zeit gekommen, einen Freund in der Nachbargruppe zu besuchen und dort bestehende Freundschaften zu vertiefen. Jedes Kind kann nun aus seiner Gruppe und seiner Rolle dort schlüpfen und in einer anderen Gruppenzusammensetzung eine neue Rolle erproben.

  2. des Gruppenraums. Jeder Raum hat seine eigene Atmosphäre, die sich auf jedes Kind auswirkt und es anzieht. Jeder Raum hat sein eigenes Spielrepertoire, das neue Anregungen und Erfahrungen bietet.

  3. von neuen Bezugspersonen. Die Kinder haben nun die Möglichkeit, von sich aus den Kreis der Bezugspersonen zu erweitern.

Der Haupteffekt der "Offenen Gruppen" besteht jedoch in der Identifizierung mit dem größeren Rahmen der "Spielkiste", jenseits der kleineren, geschlossenen Einheit der Gruppe. 

 

 

Bauernhofaufenthalt

 

 

 

Jedes Jahr fahren wir mit den Spielkistenkindern für vier Tage auf einen Bauernhof. Dies ist uns sehr wichtig, weil wir aus Erfahrung wissen, dass es den Kindern großen Spaß macht und der Aufenthalt mit der eigenen Gruppe ein nicht zu ersetzendes Erlebnis ihrer Spielkistenzeit ist. 
Während unseres Bauernhofaufenthaltes erleben die Kinder die Natur nicht nur als Bastelangebot oder betrachten sie in Büchern und Filmen, sondern entdecken sie als Weite. Sie können sich frei bewegen und die Verplanung mit Freizeitangeboten hat für vier Tage eine Pause. Der Tagesablauf der Kinder wird nicht vom Terminkalender bestimmt. Keiner drängt zur Eile, sie bestimmen ihren Tagesablauf ohne Zeitdruck.
Die Kinder lernen Tiere "hautnah" kennen, werden vertraut gemacht mit Nutztieren und bekommen Einblicke in die Tierpflege. Sie erfahren, dass Tiere Wesen mit Gefühlen sind, die sie durch entsprechendes Verhalten zeigen. 
Vor allem aber erleben die Kinder das Gefühl: "Ich kann etwas! Ich bin stolz darauf." "Ich habe etwas auch ohne die Eltern geschafft." "Ich bin schon groß." Ihre Selbständigkeit und ihr Selbstvertrauen sind ein großes Stück gewachsen. Die Gruppe wächst stärker zusammen, denn die Kinder haben mehr Zeit füreinander.

 

 

Vorschule

 

 

 

In den Integrationsgruppen entwickeln die Kinder mit mehr oder weniger Unterstützung alle Fähigkeiten und Fertigkeiten, die sie für die Schule benötigen. Und das alles, obwohl "Schulreife" in unserem pädagogischen Konzept eher ein untergeordneter Punkt ist, im Gegensatz zu unserem Ziel Selbständigkeit, Selbstvertrauen, soziale Kompetenz, Selbstbewusstsein und ähnliche Qualitäten zu fördern. Trotzdem gibt es einige Argumente, die für eine Veranstaltung namens "Vorschule" sprechen. 
Neue Situation

  1. Die Vorschüler aus allen drei Gruppen werden in einer Vorschulgruppe zusammengeschlossen und sind in dieser Arbeitssituation in einer altershomogenen Gruppe.

  2. Durch diese Zusammenfassung verlieren festgefügte Rollen ihre Gültigkeit; die Orientierung in einer neuen Gruppenkonstellation (Schulklasse) kann eingeübt werden.

  3. Freundschaften - aus der Gruppe - zeigen ihre Kehrseite, sie erweisen sich auch als Abhängigkeiten. Ein neuer Grad der Selbständigkeit kann erfahren werden.

  4. Erzieherinnen werden in einer neuen Situation erlebt. Die Unterscheidung zwischen Funktion und Person wird eingeleitet.

  5. Neue Räumlichkeiten, Sitzordnung, Tafel etc. erinnern an die Schulklasse und erleichtern die Eingewöhnung in die Schule.

Die Vorschule konfrontiert die Kinder mit Anforderungen, denen sie in der Schule ständig ausgesetzt sind, die aber aus pädagogischen Gründen in unseren Integrationsgruppen zurückhaltend gehandhabt werden. Die neuen Anforderungen sind:

  • Das Thema wird ohne weitere Begründung vorgegeben (Lehrplan).

  • Der Zwang zum ruhig Sitzen und ruhig Arbeiten ist viel größer.

  • Es gibt die Verpflichtung, sich zu melden und nicht dazwischen zu reden.

  • Es gibt einen deutlichen Unterschied zwischen "Arbeitssituation" und Pause.

  • Es gibt einen verbindlichen zeitlichen Rahmen.

  • Man muss sein Arbeitstempo der Gruppe anpassen.

Im Gegensatz zum Alltag in der Kindergartengruppe, wo bei jedem Kind der Maßstab der eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten sehr stark betont wird, wird in der Vorschule sehr viel deutlicher vorgegeben, worauf es bei einzelnen Aufgaben ankommt. Außerdem tauchen in der Vorschule einige Schwerpunkte auf, die sehr eng mit den alltäglichen Anforderungen am "Arbeitsplatz" Schule verbunden sind.

Die eigentliche Zielsetzung der Vorschule liegt aber nicht in diesen formalen Unterschieden zum Alltag in unseren Integrationsgruppen, sondern besteht in der Herstellung einer insgesamt positiven Einstellung der Kinder gegenüber der Schule. Wir nennen das die moralische Aufrüstung. Es gibt im Besonderen darum, Ängste der Kinder zu reduzieren und die Vorfreude auf diesen neuen Abschnitt zu wecken.

Außerdem trägt die integrative Vorschule der Selbstverständlichkeit Rechnung, dass alle Kinder mit dem gleichen Problem und mit der gleichen Herausforderung konfrontiert sind, dass auch ein behindertes Kind seine Ängste und Vorfreuden in Hinblick auf die Schule hat. Unsere Bemühungen richten sich folgerichtig innerhalb und außerhalb des Kindergartens auf die Einrichtung von Integrationsschulen mit einer ganz anderen schulischen Zielsetzung als dem bestehenden Prinzip der Auslese.